Über uns

Projekt Rialto

Wir sind eine Gruppe von 15 – 20 Personen. Gemeinsam bauen wir ein Haus in Wilhelmsburg. Das Haus bietet Wohnraum und auch Platz für Veranstaltungen und Initiativen (Erdgeschoss). Wir entscheiden und planen alles gemeinsam. Wir wünschen uns, dass das Erdgeschoss von Menschen aus dem Stadtteil gestaltet wird.

Die Zusammensetzung der Gruppe hat sich in der Vergangenheit immer wieder verändert. Die meisten kennen sich bereits lange aus freundschaftlichen sowie politischen Kontexten. Immer wieder begeben wir uns in intensive Gruppenprozesse, in denen wir Vertrauen aufbauen und auch unsere eigenen gesellschaftlichen Positionen reflektieren.

Als „Projekt Rialto“ realisieren wir unsere Idee eines kollektiv organisierten Hausprojektes in Hamburg-Wilhelmsburg. Nachbarschaft ist unserer Auffassung nach ein sehr wichtiger Ort des politischen Alltags. Hier kommen Menschen zusammen, helfen und unterstützen sich gegenseitig, organisieren und vernetzen sich, tauschen sich aus. Deshalb haben wir im Erdgeschoss des Neubaus einen Ort für Veranstaltungen, Gruppen und Projekte eingeplant. Mit unserem Vorhaben sollen sowohl Raum für gemeinschaftliches und soziales Wohnen, als auch (öffentlich) zugängliche Räume für soziokulturelle Projekte geschaffen werden.

Der Neubau entsteht im Vogelhüttendeich 30. An dieser Stelle stand viele Jahre ein kleines Kino, das „Rialto“. Das Gebäude konnte zwar noch einige Zeit für eine kulturelle Zwischennutzung aktiviert, jedoch nicht mehr dauerhaft als Kino eingerichtet werden. Der Abriss war unvermeidlich. Wir hoffen, dass durch unsere Initiative neues Leben an diesem Ort erwacht, damit ein ebenso breites Generationenspektrum zusammengebracht werden kann, wie es das Kino geschafft hat.

In direkter Nachbarschaft sind wir außerdem eng verbunden mit dem Wohn- und Stadtteilprojekt GoMokry*.

Gemeinschaftliches Wohnkonzept

Bereits seit vielen Jahren spinnen wir gemeinsam die Vision eines Zusammenlebens in einer Gemeinschaft, in der wir füreinander Verantwortung übernehmen können. Wir möchten, dass die*der Einzelne sich auf ein soziales Netz verlassen kann, innerhalb dessen die Menschen sich auch in ihren ganz alltäglichen, scheinbar privaten, Kämpfen zur Seite stehen. Wir möchten Raum schaffen für kollektive und diverse Formen des Zusammenlebens.

Der Bau des Rialto-Wohnprojektes ist für uns eine Gelegenheit, auch räumlich eine Umgebung zu schaffen, die sich für das Leben in Wohngemeinschaften eignet und die auch baulich so barrierefrei wie möglich gestaltet ist. Uns als Bewohner*innen bietet das Projekt die Möglichkeit der Selbstverwaltung und die Chance, eine möglichst günstige und solidarische Mietenpolitik durchzusetzen.

Politisches Finanzierungskonzept

Grundlage des Projekts ist die Schaffung von Gemeinschafts- statt Privateigentum. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Immobilie eines Tages zum Spekulationsobjekt wird. Wohnen ist ein Grundrecht und sollte nicht zur Goldgrube Einzelner werden, die ihren Mieter*innen hohe Mieten abverlangen und gleichzeitig ihre Rechte als Bewohner*innen missachten. Wir orientieren uns deshalb an einem Konzept, das als Gegenmodell zum kapitalistisch strukturierten Wohnungsmarkt verstanden werden kann: dem „Mietshäusersyndikat“ (näheres dazu hier <LINK folgt noch> und unter Mietshäusersyndikat). Aktuell werden Bau und Verwaltung durch die neu gegründete „Genossenschaft für solidarisches Wohnen“ <LINK folgt noch> organisiert. Der Bau des Hauses wird in erster Linie ermöglicht durch Kredite, die wir zukünftig Stück für Stück mit unseren Mieten abbezahlen werden. Diese werden uns größtenteils durch Privatpersonen geliehen und sind den Bankkrediten nachrangig.

Die Verwaltung des Hauses findet auch strukturell auf kollektive Weise statt. Dadurch hat keine Einzelperson die Möglichkeit Gewinn aus der Immobilie zu schlagen. Sobald die Kredite abbezahlt sind, ermöglichen unsere fortlaufenden Mietzahlungen die Schaffung weiterer solcher Projekte. Wie hoch diese Zahlungen sind entscheiden letztendlich die jeweiligen Bewohner*innen selber, auch wenn dies insbesondere während der Jahre des Abbezahlens einem gewissen Rahmen unterliegt. Niemand muss sich persönlich an die Immobilie binden oder haften. So wird auch das Risiko und die finanzielle Belastung gemeinschaftlich getragen.

Nachbarschaft & Erdgeschoss

Wilhelmsburg hat in den letzten Jahren massive Gentrifizierungswellen erlebt und befindet sich stark im Wandel. Als alternatives Projekt einer überwiegend weißen, akademisch geprägten Gruppe, sehen wir durchaus die Gefahr, als Gruppe zur weiteren Aufwertung des Stadtteils und damit einhergehender Verdrängung beizutragen. Dieser Entwicklung wollen wir mit einer aktiven Öffnung des Projekts entgegenwirken, die insbesondere diejenigen Akteur*innen sichtbar werden lassen soll, die von Prekarisierung und Ausgrenzung betroffen sind. Mit ca. 120m² soll das Rialto-Erdgeschoss in unseren Vorstellungen ein Ort solidarischer Kämpfe werden. Das Wie-wer-was ist zu diesem Zeitpunkt noch Teil unserer eigenen Lern- und Aushandlungsprozesse.

Unsere Broschüre zum Download